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The Originals Beethoven Sinfonien No. 5 & 7

7.69


SINFONIEN 5 + 7.
  • 15 Bewertungen: 5.0




The Originals - Beethoven (Sinfonien No. 5 & 7)

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Ein dynamischer Beethoven
Die beiden Beethoven Symphonien mit Kleiber und den Wiener Philharmonikern stellen ein Feuerwerk und andrerseits ein "In-Sich-Gehen" dar. Einfach wunderbar.The Originals - Beethoven (Sinfonien No. 5 & 7)
 
  Ist das noch Musik?
Ich beziehe mich auf die Aufnahme der 7. Symphonie mit Kleiber und den Wiener Philharmonikern. Wer sie hört, wird wie elektrisiert auf die Stuhlkante rutschen und sich dort nicht mehr wegbewegen, bis der letzte Ton verklungen ist. Hier wird Musik nicht mehr "gemacht", sondern sie "ereignet" sich sozusagen. Das soll jetzt nicht pseudo-celibidachesches Musik-Zen sein, sondern ist die Wahrheit!
Wie Carlos Kleiber das gemacht hat, ist mir ein Rätsel.
Die Aufnahmetechnik ist grandios, die Aufnahme selbst unübertrefflich!
 
Geschmäcker sind verschieden
Wie verschieden doch Geschmäcker und Interpretationsvorstellungen sein können, ließ sich wohl selten so gut demonstrieren wie an der Einpielung Cleibers mit den Wienern und Beethoven's fünfter Sinfonie.
So sehr der namhafte Dirigent eine unerschütterliche emotionale Bindung zu Beethoven's Jahrhundertwerk aufgebaut haben muß, so sehr scheint es ihn im gleichen Augenblick auch mitgerissen zu haben - und das ist immer eine Schwäche, wenn es zu Interpretationen der Wiener Klassik kommt.
Die Tempi und Rhythmen - Beethovens große kompositorische Brückenpfeiler - sind gänzlich Cleibers Hingerissenheit und Schwelgerei untergeordnet, und nur selten kann sich der Maestro zu wahrer Größe zügeln.
Und so klingt diese aufsehenerregende Aufnahme so, wie sie hier bereits hinlänglich beschrieben worden ist: sehr laut, sehr leise, sehr schnell, sehr viel von allem - nur leider sehr selten nach Beethoven: reif und für die Ewigkeit bestimmt.
Dennoch scheint Cleiber eines erreicht zu haben: daß der Funke überspringt. Zumindest beim ersten Hören.
 
  Mal auf dem Klangteppich bleiben ...
"Bestes Klassik-Album aller Zeiten" und so weiter... die Vorrezensenten sind voll des Lobes. Mag alles stimmen. Aber vielleicht nur für Kenner?

Ausdrücklich als Laie auf dem Gebiet empfinde ich die vorliegende Aufnahme (ich rede hier im Grunde aber nur von der Fünften) als eine zwar sehr gelungene, recht gefühlvolle und angemessen temperamentvolle Aufnahme, die zu hören eine Freude ist. Deswegen auch 4 Sterne. Der Klang ist voller Dynamik, zwischen "ich hör nix!" und "mach mal leiser" alles dabei. Dabei kein Rauschen, trotz des Alters der Aufnahme. So weit so wirklich gut!

Aber! (Nun beziehe ich mich ausdrücklich nur auf die Fünfte, und nicht auf die Laien doch wohl (jedenfalls mir) weit weniger bekannte Siebte Sinfonie:) Ich habe die Fünfte in einer Hand voll Varianten gehört. Bei dieser Aufnahme klingen mir die Bläser ein wenig zu sehr nach Jagd - etwas zu blechern. Für mich ist diese Aufnahme keine, die zwingend in den Kanon klassischer Einspielungen aufgenommen werden muss, wenn man nur sehr wenige Einspielungen zum Vergleich kennt.

Es gibt eben doch auch noch bessere Einspielungen. Beispielsweise Rafael Kubelik mit dem Boston Symphony Orchestra (1976).

Dennoch volle 4 Sterne für eine alles in allem nahezu perfekte Einspielung einer wahrhaft großartigen Komposition. Tipp: Durchaus zurecht ist diese Aufnahme von 1975/1976 auch in der 2009 erschienenen fantastischen Box "111 Years of Deutsche Grammophon" enthalten.
 
Olympisch!
Obwohl der Klassik-Katalog unzählige Aufnahmen von Beethovens Symphonien enthält, zu denen fast monatlich noch neue hinzukommen, und gerade die 5. und 7. Symphonie sich bei den Interpreten ganz besonderer Beliebtheit erfreuen, sind Carlos Kleibers Beiträge ganz einfach ein Muß für jeden, der sich mit klassischer Musik auch nur ein wenig beschäftigt. Das gilt noch heute ganz uneingeschränkt, obgleich die Produktionen bereits 30 Jahre alt sind. Es sind Meilensteine in der langen Geschichte der Beethoven-Rezeption, die sich praktisch jedem Vergleich entziehen, weil sie einmalig und trotzdem nicht extravagant sind. Carlos Kleiber war Zeit seines Lebens kein Produzent von Massenware, seine diskographische Hinterlassenschaft ist vergleichsweise schmal. Das hing damit zusammen, daß der Künstler erst dann ein Werk der kleinen Ewigkeit der Schallplatte anvertraute, wenn er es unzählige Male aufgeführt und sich schließlich mit seiner Interpretation hundertprozentig identifizieren konnte. Beethovens Fünfte, ein leider mehr als überstrapaziertes Werk, von dem der Schweizer Komponist Arthur Honegger einmal gesagt hat, nachdem er sie nun über zweihundert Mal gehört habe, sei sie für ihn nur noch Geräusch, wird unter Carlos Kleibers Stabführung quasi neu geboren. Man hört Stimmen und auch Nebenstimmen, die man glaubt noch nie vernommen zu haben. Das Werk wird unter einen schier unerträglichen Spannungsbogen gestellt, und noch nie habe ich den Triumphgesang des Finale in einem solch überschäumenden Taumel gehört. Ich bin mir ziemlich sicher: Diese Deutung hätte selbst Honegger noch einmal aufhorchen lassen. Die Siebente ist von absolut gleicher Größe, das Spiel der Wiener Philharmoniker, besonders der Streicher im zweiten Satz, ist von einem Glanz und einer Präzision sondergleichen. Es fällt auf, daß der Dirigent den Pizzicato-Schluß des zweiten Satzes wählt, genau wie sein Vater Erich in der alten Aufnahme mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam. Das Finale der Siebenten erklingt trotz des lebhaften Tempos nirgends überhetzt, wie das bei vielen anderen Dirigenten - leider - der Fall ist. "Carlos Kleiber und die Wiener Philharmoniker verbanden die Inspiration einer Konzertwiedergabe mit der Genauigkeit studiomäßiger Detailarbeit", heißt es in der Textbeilage dieser Ausgabe. Damit ist der Nagel auf den Kopf getroffen.
Der Klang der Aufnahmen von 1974 (Nr. 5) und 1975/76 (Nr. 7) ist voll und prunkend, das "Original-Image Bit-Processing" der DGG hat gegenüber den Originalausgaben noch für eine beträchtliche Verbesserung gesorgt. Eine besonders bedeutende Edition in der Serie der "Originals", die noch zusätzlich durch einen wertvollen Beitrag von Peter Cossé im Textbuch aufgewertet wird. Ein Denkmal für Beethoven, eine CD für den Platten-Olymp, ein Album für die einsame Insel, ein Muß für jeden Klassik-Freund!